Interkulturalität 

Lanschulen2

Mit dem Engagement für die andine Kultur stellt sich Pukllasunchis auf die Seite derjenigen Bevölkerungsgruppen, die bis heute an den Rand gedrängt und diskriminiert werden. Die indigene Bevölkerung in den ländlichen Regionen der Anden gehört zum Armenhaus von Peru. In der Region Cusco wohnen 51% der Bevölkerung auf dem Lande, davon haben über 60% Quechua als Muttersprache. Es gehörte daher von Anfang an zur Strategie von Pukllasunchis, ihren Wirkungskreis nicht auf die städtischen Gebiete von Cusco zu beschränken, sondern auf die angrenzenden ländlichen Gebiete auszudehnen.

Pukllasunchis betrachtet die Ausbildung und insbesondere die Schule als Schlüsselfaktor, um der indigenen Bevölkerung aus dem Teufelskreis von Armut und Diskriminierung herauszuhelfen. Sie hat dazu ein ganz spezifisches Konzept der interkulturellen Erziehung (Educación intercultural bilingüe - EIB) entwickelt. Nach ihrem Verständnis ist interkulturelle Erziehung mehr als nur eine pädagogische Methode, welche die Unterrichtsinhalte mit neuen kulturellen Elementen ergänzen will. Es geht vielmehr darum, die kulturelle, sprachliche und politische Realität der indigenen Bevölkerung in ihrer ganzen Andersartigkeit in die Schule hineinzutragen. Was Pukllasunchis letztlich über die Schule erreichen will, ist nichts anderes als eine gesellschaftliche Anerkennung der andinen Kultur und eine Rehabilitation ihres Wissens, Könnens und Denkens.

1999 begann Pukllasunchis direkt mit ländlichen Schulen in Gemeinden der Provinz von Paruro zusammenzuarbeiten. Die Bevölkerung dieser Region spricht praktisch ausschliesslich Quechua; in der öffentlichen Schule ist aber Spanisch die Unterrichtssprache. Die Schulen erhielten Unterstützung zur Einführung eines zweisprachigen Unterrichts, mit Quechua als Erst- und Spanisch als Zweitsprache. Ziel war es, den Kindern ein Lernen zu ermöglichen, das auf dem eigenen Wissen, auf der eigenen Weltsicht aufbaut und diese mit Kenntnissen aus der modernen Wissenschaft und Technologie verbindet. Pukllasunchis arbeitete eng mit den Lehrpersonen, aber auch mit den Eltern, den Behörden und der Gemeinde als Ganzes zusammen. Die Inhalte der Zusammenarbeit gingen dabei über die Schule hinaus und umfassten auch Aspekte der lokalen Entwicklung. Bis 2012 nahmen 25 Gemeinden mit insgesamt 3320 Familien und 1000 Kindern am Projekt teil.

Trotz dieses Erfolgs musste Pukllasunchis erkennen, dass die Anlage des Projektes nicht geeignet war, der interkulturellen Erziehung im ländlichen Raum wirklich zum Durchbruch zu verhelfen. Zwischen  2009 und 2012 bot Pukllasunchis, zusammen mit zwei peruanischen Universitäten, einen einjährigen Diplomlehrgang für interkulturelle Erziehung, dessen Abschluss offiziell anerkannt wird. Zwischen 2009 und 2012 nahmen durchschnittlich 60 Lehrpersonen pro Jahr daran teil; zwei Drittel von ihnen konnten diese mit einem Diplom abschliessen.

Mit Gründung und  Eröffnung der Pädagogischen Hochschule sind diese Diplomweiterbildungen überflüssig geworden. Knowhow und Erfahrungen, die über diesen Lehrgang, aber auch über die andern oben erwähnten Projekte und Aktivitäten erworben wurden, sind in den Lehrplan der PH eingeflossen und bestimmen zu einem wesentlichen Teil Theorie und Praxis der Ausbildung. Die Landschulen, die an EIB-Projekten von Pukllasunchis teilgenommen und mitgewirkt haben, sind heute Übungs- und Praktikumsschulen für die Studierenden der PH.