Die Ehemaligen 

ex alumnos

«Tu paso por Pukllasunchis» – Eine Umfrage bei Ehemaligen von Pukllasunchis

Im 2012 hat Pukllasunchis zum ersten Mal eine umfassende Umfrage bei ihren Ehemaligen durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, wie deren Lebensumstände heute aussehen und wie sie ihre Zeit in der Modellschule von Pukllasunchis aus heutiger Sicht sehen und beurteilen. In die Umfrage einbezogen wurden die Abschlussjahrgänge von 1997 – 2009 mit insgesamt 596 ehemaligen Schülerinnen und Schülern, die heute zwischen 18 und 31 Jahre alt sind. Von den angeschriebenen Ehemaligen antworteten deren 301; das entspricht einem Rücklauf von beachtlichen 51%. Neben der Umfrage mittels Fragebogen fanden auch Interviews mit einer Auswahl von Ex-Schülerinnen und Ex-Schülern (insgesamt 49) statt, um einzelne Fragen und Aspekte im Gespräch vertiefen zu können. Eine weitere Umfrage im Herbst 2013 diente dazu, einige Lücken in der ersten Erhebung zu beheben.

Zum Profil der befragten Ehemaligen: Wo leben sie, was machen sie heute?

Die grosse Mehrheit der ehemaligen Pukllaschülerinnen und –schüler wohnt weiterhin in Peru.

Mehr als die Hälfte (57%) sind noch immer in Cusco und etwas mehr als ein Viertel (28%) in anderen Teilen Perus wohnhaft, die Hälfte davon in Lima. Die restlichen 15% sind hingegen auf der ganzen Welt verstreut, die Hälfte von ihnen in Europa, ein Drittel in Südamerika und der Karibik und der Rest in Nordamerika und Japan.

Praktisch alle Ehemaligen haben ein weiterführendes Studium angetreten.

99% haben nach ihrem Abschluss bei Pukllasunchis an die Universität (80%) oder an eine technische Fachhochschule (20%) gewechselt; lediglich vier der befragten Ehemaligen haben nicht weiter studiert. Bei den gewählten Studienrichtungen liegen die Naturwissenschaften (43%) und die Geisteswissenschaften(42%) praktisch gleich auf; 13% haben sich für Kunst und Sport entschieden. 45% haben ihr Studium abgeschlossen: je 16% mit einem Bachelor bzw. einem Lizentiat, 10% mit einem höheren technischen Abschluss und 3% mit einem Master oder einem Doktorat.

Diese Zahlen widerspiegeln die peruanische Realität in Sachen Berufsbildung: Für junge Erwachsene mit einem Schulabschluss wie demjenigen von Pukllasunchis gibt es neben einem Studium kaum andere Möglichkeiten, um Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten. Eine duale Berufsbildung, wie wir sie in der Schweiz und Deutschland kennen, existiert in Peru kaum d.h. lediglich im Rahmen von auslandfinanzierten Entwicklungsprojekten (z.B. Berufsbildungsprogramm der DEZA).

Knapp die Hälfte hat Anschluss zum Arbeitsmarkt gefunden.

In den Umfragen weisen 47% der antwortenden Ehemaligen eine Arbeit aus.

Diese sind in folgenden Wirtschaftssektoren tätig:

19% im Tourismus (Reiseagenturen, Gastronomie, Verwaltung),

12% in der Bildung (Lehrpersonen auf allen Bildungsstufen, Bildungsverwaltung),

je 11 %% in der Gesundheit (Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten, Apotheker, Tierärzte, Verwaltung), in Gestaltung & Kunst (Fotografen, Journalisten, Künstler, Grafiker) und im Industrie- und Bausektor (Ingenieure, Konsulenten, Buchhalter, Sekretariat),

10% in Verwaltung und Wirtschaft (Regional-, Distrikts- und Stadtverwaltung, Banken),

5% in Entwicklung und Umwelt (NGO, Verwaltung),

4% im Kulturbereich (Theater, Zirkus, Priester/Pastoren),

3% im Verkehrsektor (Flug- und Eisenbahngesellschaften)

und 2% in der Informatik.

13% der Antwortenden bezeichnen sich als Kleinunternehmer, Kleinhändler oder Unabhängige; darunter sind wohl ebenso viele Vertreter von KMU wie auch des informellen Sektors.

Die 53%, die keine Arbeit ausweisen, sind nicht zwangsläufig arbeitslos. Denn darunter fallen auch alle Ehemaligen im Ausland, deren Tätigkeit unbekannt ist, die Mütter und Hausfrauen, die sich um Familie und Haushalt kümmern, wie auch diejenigen, die noch bzw. wieder in Weiterbildung und Studium stehen.

Zur Beurteilung von Pukllasunchis: Was war, was ist geblieben, was sollte besser sein?

Der grosse Trumpf von Pukllasunchis: die Persönlichkeitsbildung

Für 94% der Ehemaligen hat Pukllasunchis ihre Persönlichkeit entscheidend mitgeprägt. Gestärkt wurden vor allem: Selbstvertrauen und Selbstsicherheit (24%), Respekt und Offenheit gegenüber Anderen (22%), Beziehungsfähigkeit (16%), Gemeinschaftssinn und soziale Verantwortung (15%), Autonomie und Unabhängigkeit (14%) und kritisches Denken (11%).

Pukllasunchis und das Leben danach

Die ganz grosse Mehrheit der Ehemaligen ist überzeugt, dass Pukllasunchis etwas Besonderes ist und die Wirklichkeit ausserhalb von Pukllasunchis daher nicht deckungsgleich ist mit dem, was sie bei Pukllasunchis erlebt und erfahren haben. 55% fanden es aber nicht schwierig, sich an das Leben nach Pukllasunchis zu gewöhnen. 45% hingegen hatten Mühe, sich in ihrem neuen Umfeld zurechtzufinden. 21% beklagen das Konkurrenzdenken und den Mangel an Solidarität und Werten in den menschlichen Beziehungen. 13% empfanden das akademische Niveau an den Hochschulen als hoch und mussten grosse Anstrengungen machen, um mithalten zu können. Und 12% halten Pukllasunchis für eine Luftblase, die mit der eigentlichen Wirklichkeit des Lebens nichts zu tun hat.

Das Colegio: Stärken und Schwächen

Es gibt klare inhaltliche Unterschiede zwischen den von den Ehemaligen vorgebrachten Stärken und Schwächen des Colegio von Pukllasunchis. Als Stärken werden vor allem menschliche Aspekte hervorgehoben: die Gleichheit der Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schülern, zwischen Jungen und Mädchen, zwischen Arm und Reich (24%), die Wertschätzung des Einzelnen (15%) und die Tatsache, ernstgenommen und angehört worden zu sein (14%). Defizite hingegen werden ausgemacht in der Qualität und der Organisation des Unterrichts: das tiefe akademische Niveau (33%), wenig klare Grenzen und wenig Disziplin (18%) und geringe schulische Anforderungen (10%).

Die Lehrpersonen: Vorzüge und Mängel

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Einschätzung der Lehrpersonen. Die Ehemaligen schätzten an ihnen: ihre respektvolle Haltung gegenüber dem Einzelnen (49%) und ihr Beitrag zur Stärkung des Selbstwertgefühls des Einzelnen (20%). Kritisiert wurden hingegen: ihre übertriebene Nachgiebigkeit (22%)

Als Schwächen bezeichneten: 22% deren übertriebene Nachgiebigkeit, ihre fehlende Autorität, das nicht Grenzen setzen können - 14% ihre schlechte Vorbereitung und ihre ungenügenden inhaltlichen Kenntnisse - 14% wenig Ansprüche an die Lernenden und wenig Motivation zum Lernen

Verbesserung der akademischen Arbeit

Folgende Veränderungen würden die Ehemaligen vornehmen:

56% die akademische Arbeit, Niveau

19% die Disziplin stärken

15% bessere qualifizierte Lehrpersonen rekrutieren

11 höhere schulische Ansprüche an Schüler stellen 

Trotz allem: Grundvertrauen in Pukllasunchis

Trotz dieser teils kritischen Haltung

halten 93% einen Ex-Puklla für etwas Besonderes

würden 83% ihre Kinder zu Pukllasunchis schicken, wenn sie die Möglichkeit hätten.

Folgerungen der Geschäftsleitung von Pukllasunchis aus den Ergebnissen der Umfrage

Die Geschäftsleitung ist sich bewusst, dass ihre Schüler und Schülerinnen beim Übertritt von einer auf Persönlichkeitsentwicklung ausgerichteten Institution in auf Wissensvermittlung programmierte Bildungsinstitutionen des herkömmlichen Bildungssystems Schwierigkeiten haben können. Sie ist aber überzeugt, dass ihre Schülerinnen und Schüler über das notwendige Rüstzeug verfügen, um mit neuen Situationen und Herausforderungen fertig zu werden. Das belegt auch die Tatsache, dass mehr als 95% ihre Studien erfolgreich abschliessen.

Pukllasunchis setzt auf Selbstdisziplin und Eigenständigkeit und auf gleichwertige, respektvolle Beziehungen zwischen den Jugendlichen selber, aber auch zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Dieses horizontale Beziehungsmuster steht im Gegensatz zu den vertikal strukturierten Beziehungen in den herkömmlichen Bildungsinstitutionen und wird oft missverstanden. Das gilt aber auch für einzelne Lehrpersonen von Pukllasunchis, die im Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern die Distanz verlieren und daher auch disziplinarische Schwierigkeiten haben.

Pukllasunchis wünscht sich Lehrpersonen, die ihr Unterrichtsthema beherrschen, mit Leidenschaft unterrichten und ihre Schülerinnen und Schüler gern haben. Solche Lehrpersonen sind aber in Peru nicht einfach zu finden.

Die mathematischen Disziplinen sind im Stundenplan von Pukllasunchis besser dotiert als es der nationale Lehrplan vorschreibt. Nichtsdestotrotz sind sie ein Dauerthema bei Pukllasunchis. Schulverantwortliche wie Lehrpersonen sind ständig auf der Suche nach neuen Methoden und Ansätzen.

Drei Portraits von Ehemaligen

photo

Claudia Pilco Uscamaita ist 18 Jahre und hat im Dezember 2012 die Sekundarschule Pukllasunchis abgeschlossen. Nun hat sie ihr eigenes kleines Unternehmen, sie produziert und verkauft Schokoladenartikel. Sie wohnt immer noch bei ihrer Mutter. 

Ihr älterer Bruder, Rafael Pilco, ebenfalls ein Absolvent von Pukllasunchis, studiert an einer Handelsschule und arbeitet nebenbei als Verkäufer in einem Laden.
 


 

photoVincent Hancco Luna hat die Sekundarschule Pukllasunchis im Dezember 2013 beendet. Nun bereitet er sich für die Aufnahme-prüfung an der Universität vor. Er möchte "Administración de Empresas" studieren.

Seine vier Schwestern sind ebenfalls ehemalige Pukllas. Amanda hat ihr Studium "Administración y Contabilidad" abgeschlossen und arbeitet in Arequipa. Liliana studiert Buchhaltung, Vanessa Archäologie und América Jus, alle drei an der nationalen Universität in Cusco. Die Mutter Paulina hat ihre Kinder allein grossgezogen. Sie arbeitet als Wäscherin und Putzfrau in einem Büro der "Defensoría del Pueblo" in der Stadt Cusco.

 

 

photoValeria Villafuerte hat die Sekundarschule im Jahr 2006 abgeschlossen. Sie hat an der "Pontificia Universidad Católica" in Lima Anthropologie studiert und im Dezember 2013 mit Bravour abgeschlossen. 

Ihr Bruder Nicolás (12 Jahre) und ihre Schwester Micaela (7 Jahre) gehen noch bei Pukllasunchis in die Schule. Deren Mutter ist Spanischlehrerin und der Vater Architekt.